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Kreativität als Grundpotential des Menschen

Ob im großen Stiel als Zukunftswerkstatt in Unternehmen oder als Innovation in der individuellen Bewerbungsstrategie - Kreativität ist eine menschliche Ressource, der wir uns zu selten bedienen. Dabei ist Kreativität durchaus 'erlernbar'. Lesen Sie dazu die folgende Zusammenfassung eines Vortrags von Dr. Hauck und/oder nutzen Sie unsere Dienstleistungen in Workshop oder Coaching!

Es ist möglich, dass das Thema Kreativität insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Flauten und Krisen zunehmend Interesse findet. Schließlich weiß man aus dem Krisenmanagement (und seit Einstein), dass man die ‚alten’ Probleme nicht mit den ‚alten‘ Antworten lösen kann. Gefragt sind also ‚zündende Ideen‘ und Innovationen. Eine Innovation wird definiert als Kreativität + Aktion. – Mit der Nutzung von kreativen Energien im Berufsleben scheint es jedoch nicht weit her zu sein. Prof. Warnecke von der Frauenhofer Gesellschaft betont, dass Mitarbeiter in herkömmlichen Organisationen nur 10 – 20 % ihres Leistungspotentials einbringen können.

Dabei ist Kreativität ein Grundpotential des Menschen – eine Art Rohstoff, der nicht erst zu erzeugen ist, sondern gefördert werden will. (Hier liegt übrigens eine interessante Parallele zur intrinsischen Motivation). Welcher Art sind nun die Voraussetzungen und Bedingungen eines solchen Zu-Tage-Förderns?

Ein grundlegender Blick in den Evolutionsprozess lohnt. Evolution, so die heutige Erkenntnis, ist nur zum Teil der von Ch. Darwin herausgestellte Prozess der Anpassung, vielmehr die Funktionsfähigkeit von biologischen und sozialen Systemen. Das heißt: Überleben hängt von der Stabilität des jeweiligen Lebenssystems ab. Dabei bedingen sich die einzelnen Akteure des Systems wechselseitig. Die Größe einer Raubfischpopulation z.B. hängt von der Größe der Beutefischpopulation jeweils umgekehrt proportional ab. Gibt es viel zu fressen, wächst der Bestand an Raubfischen. Ein wachsender Bestand aber dezimiert die Beute, was wiederum - aufgrund Nahrungsknappheit – zur Reduktion der Raubfischpopulation führt. Das heißt, umgekehrt: Die Beutefischpopulation vermehrt sich erst dann, wenn die Raubfischmenge aufgrund übermäßiger Beutezüge ‚hungert‘ und sich so ‚selbst dezimiert‘; sie überschreitet wiederum ihren Populationszenit, wenn die Raubfischpopulation reduziert ist usw. – Ein solch eingespieltes System nennt man synergetisch.

Aber auch das beste eingespielte synergetische System kann aus vielerlei Gründen einmal zerbrechen. Viele Arten haben in der Evolution nicht überlebt, darunter so spektakuläre wie die Dinosaurier oder – bei menschlichen Vorfahren – die Neandertaler. Es muss also noch ein anderes Überlebensmerkmal relevant sein: die Fähigkeit, im Falle der Not und des Zusammenbruchs in ein anderes neues System zu wechseln bzw. ein neues System zu erzeugen. Dies ist die Fähigkeit der Selbstorganisation – die Geburtsstunde der Kreativität! Im Falle unserer Raubfische könnte das bedeuten: in anderen Gewässern oder Tiefen zu jagen, also neue Schwimmfähigkeiten zu erlernen – oder: auf andere Ernährungsgewohnheiten umzusteigen und Muscheln und Krebse zu fressen, also andere Zähne und Mäuler zu entwickeln.

Zusammengefasst: Überleben in der Evolution – evolutive Stabilität – ist ‚Selbstregulation (das synergetische Prinzip) + Selbstorganisation‘.

In all den vielfältigen Systemen der Evolution taucht ein Naturgebilde auf, das aus 100 Milliarden Bausteinen besteht, von denen jeder einzelne mit 10000 anderen Bausteinen vernetzt ist: das menschliche Gehirn – der Turbo der Evolution. Erwartet man nun von diesem gigantischen Bauwerk, dass es zu besonders präzisen und spezialisierten Leistungen imstande ist, so wird man eher enttäuscht. Seine Stärken liegen vielmehr in der Willkürmotorik, im Umgang mit unscharfen, variierenden Situationen. Es neigt dazu, die Regeln der Logik zu verletzten und ist wenig normiert in seinen Handlungen.

Und es ist gerade diese Fähigkeit zur Willkürmotorik, die dieses gigantischen Bauwerks bedarf. Die Gehirnareale von Motorik, Wahrnehmung und Denken liegen dicht beieinander. Die mangelnde Spezialisierung des Menschen, sein nicht normiertes Verhalten braucht diese enorme Gehirnmasse. Denn seine Überlebensstrategie heißt Flexibilität, heißt Fähigkeit zum Systemwechsel. – Der Mensch hat sich wie kein zweites Geschöpf des Urpotenzials der Evolution bedient: der Kreativität!

Wie ist dann aber die mangelnde Kreativität in unseren Unternehmen zu erklären?

Dass Menschen keine Götter sind, wissen wir frühestens seit der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies. Alle Fähigkeit zur Kreativität konnte nicht verhindern, dass auch der Mensch in seinem Lebensalltag mit seinen natürlichen Energien haushalten musste und muss. Und es kostet schließlich weniger Energien, sich auf Bekanntes zu verlassen, als sich ständig neuen Situationen zu stellen. Also hat auch der Mensch natürlicherweise genetische Feststrukturen entwickelt, die, so schätzt man momentan, grundsätzlich 40-50% seines Lebens und seines Verhaltens bestimmen. Diese Feststrukturen heißen „primäre Antriebe“ und entwickelten sich weitgehend in der Evolutionszeit der Jäger und Sammler.

Zu diesen primären Antrieben zählt man:

  • Selbsterhaltungstrieb (Ernährung / Ruhe-Schlafantrieb / Territorial- und Schutzverhalten / Fluchtantrieb)
  • Sozialverhalten (Autonomie / Macht / Kontrolle – Unterordnung / Abhängigkeit)
  • Fortpflanzung und Fürsorge / Sexualverhalten

Werden primäre Antriebe erfüllt, sind wir zufrieden. Hier ruht auch unser „innerer Schweinehund“, so wir es uns in dauerhafter Zufriedenheit zu bequem eingerichtet haben.

Dauerhafte Zufriedenheit ist ohnehin oft nur von oberflächlicher Natur und kann im Gegenteil in innerer Unzufriedenheit und Überdruss umschlagen. Selbst mit viel Energie erworbene erfolgreiche Lebenszustände münden im Phänomen der Habituation – man hat sich daran gewöhnt; der Genuss wird schal.

Der Glücksforscher Csikszentmihalyi ist in seinen jahrzehntelangen Untersuchungen immer wieder auf einen ‚flow-Zustand‘ als menschliches Wesensmerkmal von Glück gestoßen. Ein ‚flow-Zustand‘ entsteht in Momenten des Aufgehens in der jeweiligen Tätigkeit, in Momenten der Selbstvergessenheit. Dieses Tun ist autotelisch, sein Zweck liegt in ihm selbst. Dort, wo es offenbar nicht um die Erfüllung primärer Antriebe geht, erfahren Menschen tiefere Zufriedenheit, ja sogar Glück. Und interessanterweise gibt es genau hier eine Verbindung zum Urpotenzial der Kreativität. Denn wesentliches Merkmal von flow-Zuständen ist die innerer Stimmigkeit des Tuns selbst, das Gefühl, die Dinge passen zusammen – das Gefühl, ein (neues) ‚System‘ läuft rund und ist im evolutiven Sinne ‚stabil‘.

Es existiert also ein immanenter Drang – ein sekundärer Trieb – sowohl nach evolutiver Stabilität als auch nach ständig neu zu erschaffenden stabilen Systemen. Und selbst damit nicht genug: Flow und Kreativität sind selbstverstärkende Energien. Man sucht immer komplexere Anforderungen, die immer stärkere und evolutiv gesehen ‚höhere‘ Stabilitäten ‚kreieren‘. Diese Maximierung bedeutet phylogenetisch ein Bereitstellen von Potenzial für evolutive ‚Notfälle‘.

Das menschliche Gehirn ist der Garant für unsere evolutive Stabilität. Dazu möchte es gefüttert werden.

Fasst man zusammen, so kann unser Leben als Wechselspiel und als Balance von primären und sekundären Antrieben verstanden werden. Sekundäre Antriebe können allerdings auch zu primären werden, wenn sie als probat angesehen und als probat reproduziert werden. Hier lauert aber wiederum der ‚innere Schweinehund‘, wenn Zufriedenheit erstarrt und neue Anforderungen mit alten Antworten gelöst zu werden versuchen. – Und hier findet man schließlich Erklärungen für die kreativitätshemmende Atmosphäre und für kreativitätshemmende Strukturen in Unternehmen.

Hat man diese Zusammenhänge erkannt und akzeptiert: Wie können dann gezielt kreative Prozesse initiiert werden?

1.            Es muss eine Zielrichtung für den kreativen Prozess formuliert werden.

2.            Das vorhandene Wissen, die vorhandenen Informationen müssen genutzt und zur Verfügung gestellt werden. Alle großen Erfinder haben ihre Entdeckungen nicht aus dem hohlen Bauch heraus gemacht, sondern haben sich vorher intensiv mit der jeweiligen verfügbaren Materie beschäftigt. Intuition ist nichts anderes als die Verdichtung größtmöglichen Wissens!

3.            Es muss eine akzeptierte Grundhaltung für alle – auch scheinbar unsinnigen – Ideen hergestellt werden. Dazu ist eine Atmosphäre von Offenheit und Angstfreiheit nötig.

4.            Fehler sind erlaubt, wenn nicht sogar wünschenswert.

5.            Kreativität bedarf einer ‚Inkubationszeit‘. Das Gemisch bestehend aus Zielrichtung, vorhandenem Wissen und Offenheit muss zunächst im Unterbewusstsein ‚gären‘, bevor neue Idee geboren werden können.

 

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